(1) Andere Rassen, andere Gänge …

… beim Quarter Horse. Frei nach dem Motto „Andere Länder, andere Sitten“, werde ich hier aus meiner Erfahrung mal mit ein paar Vorurteilen aufräumen, Hintergründe aufzeigen und über persönliche Erlebnisse berichten. Den Anfang macht die wohl bekannteste US-amerikanische Rasse, die gleichzeitig mit über 4,6 Millionen registrierten Tieren die zahlenmäßig häufigste Pferderasse der Welt ist.

Auslöser war die über die Jahre wiederholt gehörte und gelesene Behauptung, dieses oder jenes Quarter Horse (QH) sei überbaut. Dazu aber später. Zuerst einmal zu der Geschichte, die diesem Beitrag ihren Namen gab: Als ich das erste Mal ein gut gerittenes QH angaloppiert bin, hat es mich beinahe aus dem Sattel katapultiert. Erst aufgrund der immensen Beschleunigung beim Einspringen in den Galopp, dann vor Lachen, weil ich so dermaßen überrascht über diesen Wumms im Vergleich zu Warmblütern war.

Ein QH mit gewünscht langer Rückenlinie. (© Sara Landvogt, Wikipedia)

Dafür sind sie gezüchtet und es hilft ihnen heute noch bei der Rancharbeit sowie in der Turnierdisziplin Cutting und bei Reiningmanövern, dass sie diese starke Hinterhand haben und tendenziell über eine Bergab-Konstruktion verfügen: Denn für schnelle Sprints und leichtfüßiges Herumwerfen auf der Hinterhand bei der Arbeit mit Rindern helfen eine schräge Schulter mit eher tief angesetztem Hals und eine lange Mittelhand, und leichtes Überbautsein in der Kruppe wird toleriert.

Oft genug aber ist das korrekt ausgebildete erwachsene Pferd im Gleichwicht und der Eindruck, ein bestimmtes Pferd sei überbaut, entsteht durch folgende Faktoren:

  • Die Hinterbeine wirken – auch aufgrund der Konstruktion der Vorhand mit einer breiten Brust und rundem Rippenkasten – optisch länger.
  • Das Pferd ist noch voll im Wachstum (QH werden oft bereits Zweijährig angeritten) und deshalb hinten überbaut.
  • Das Pferd ist schlecht geritten und wirkt/ist aufgrund einer Trageermüdung/-erschöpfung vorne abgesunken.
  • Das Pferd ist für ein Foto so positioniert, dass die Hinterhand präsenter im Bild ist und deshalb größer/höher wirkt.

Ein möglichst ausgewogener Körperbau steht vor allem bei den Disziplinen wie Hunter under Saddle im Vordergrund, hilft aber jedem QH in Sachen Haltbarkeit. Nicht zuletzt muss man sagen, dass es das Quarter Horse nicht gibt, denn die unterschiedlichen Typen (Foundation, Stock, Halter) sowie die Zuchttrends für einzelne Disziplinen haben sehr unterschiedlich aussehende Pferde hervorgebracht, die man aber in Deutschland längst nicht alle zu sehen bekommt. Wer etwa auf ein durch viele Vollblutahnen geprägtes Pferd trifft oder eines, in dem Kaltblutgene sichtbar werden, würde eventuell nicht einmal ein QH erkennen.