Biologisches Alter 3

Ich finde es wichtig, dass man nicht nur Alterungsprozesse beim Pferd erkennt und entsprechend einordnen kann, sondern auch weiß, was sie auslöst. Diesbezüglich spielen die Auswirkungen von Stress eine wichtige Rolle, der einerseits die Regeneration erschwert und andererseits Entzündungen fördern kann …

Hier zwei Beispiele um die in den letzten beiden Beiträgen beschriebenen Faktoren zu illustrieren:

Ein 14-jähriger Wallach kommt nach einem langen und anstrengenden Transport in eine Umgebung, die ihn weiter stresst – durch die Unruhe in der Herde, zu wenig Raum und Futterplätze kommt es bei ihm zu Schlaf- und Futtermangel. Er entwickelt in der Folge ein Magengeschwür, einen verzögerten Frühjahrsfellwechsel und zeigt bei der Arbeit deutlich unsicheres, ängstliches Verhalten (Erschrecken, Blockieren). Das Pferd verliert an Muskulatur, der Rücken ist weniger tragfähig und die Bewegungsqualität leidet. Das Pferd wirkt innerhalb eines Jahres um mehrere Jahre gealtert. Der Prozess lässt sich mit Haltungsänderung und Behandlungen stoppen und wieder in ein altersgemäßes Erscheinungsbild umkehren, wenn auch nicht ganz.

Eine Stute, die als Jungpferd wegen Übergewicht metabolisch entgleiste und mehrere Reheschübe erlitten hat, erholt sich zehnjährig dank gutem Management so gut, dass sie voll reitbar ist und die nächsten Jahre wieder so alt aussieht, wie sie tatsächlich ist. Im Akutzustand der Erkrankung wirkte sie auch außerhalb der Reheschübe deutlich älter. Als sie eine Weile wegen Erkrankung der Besitzerin deutlich weniger bewegt werden kann, ist sie weniger leistungsfähig und unter dem Sattel weniger elastisch, wirkt müde und insgesamt deutlich gealtert. Eine Stoffwechselkur mit Stärkung der ausleitenden Organe bringt nicht nur die Lebens- und Gangfreude zurück, sondern auch einen jüngeren Eindruck.

Fazit: Glänzendes Fell, wacher Blick, Interesse an der Umgebung und eine positive Körperspannung tragen dazu bei, dass ein Pferd jünger wirkt, als es eigentlich ist. Umgekehrt können graue Haare, Über- oder Untergewicht, eine wenig bemuskelte, abgesunkene Rückenlinie oder eine gröbere Fellstruktur sowie ein eher in sich gekehrtes, ruhiges Wesen ein Pferd älter aussehen lassen, als es eigentlich laut Equidenpass ist.

Alles, was Einfluss auf Stoffwechsel und Verdauung hat, sollte so optimal wie irgend möglich gestaltet sein, um die Lebenserwartung zu erhöhen. Denn Alterungsprozesse tragen für sich schon dazu bei, dass körperliche Funktionen schlechter werden. (© C. Götz)

Viele Faktoren haben wir selber in der Hand, aber wir müssen sie erkennen, ernst nehmen und entsprechende zielführende Maßnahmen umsetzen. Wenn wir präventiv tätig sein können – das Pferd also gar nicht erst übergewichtig wird – ist das deutlich besser, als wenn wir es abspecken lassen müssen. Anders ausgedrückt: Wer nie geraucht* hat, bei dem werden die negativen Auswirkungen auch nicht aufs biologische Alter draufgerechnet.

* Anders ausgedrückt kostet rauchen Lebensjahre wie Studien zeigten.