… beim Töltenden Traber. Das Warmblut mit dem Extra-Gang lebt häufig unerkannt in Obhut von Freizeitreiterinnen. Meine Erfahrungen mit dem Gangtalent dieser Rasse sind nicht besonders vielfältig, dafür im positiven Sinn umso beeindruckender.
Der eine Töltende Traber, den ich häufiger geritten bin, ist kürzlich verstorben. Ich habe dieses Pferd sehr gemocht – als Patient und als einen meiner bisher wichtigsten Ausbilder in Sachen Tölt. Unter anderem hatte ich das bislang unglaublichste Tölt-Erlebnis auf einem Reitplatz mit ihm. Ich werde dir dafür ewig dankbar sein, Rio!
Töltende Traber entstammen in der Regel – zumindest in Teilen – dem großen Genpool des amerikanischen Standardbreds, der Rennpferde die traben und Pass gehen umfasst. Wann immer ein Traber in Deutschland, wo es keine Passrennen gibt, einen amerikanischen Traber im Pedigree hat, lohnt es sich genauer hinzusehen, ob man nicht eine mehr oder weniger starke Veranlagung für Tölt findet, der wie Pass durch das das DMRT3-Gen bestimmt wird. Bei meinem Lieblings-Rio waren der Vater sowie beide Großeltern mütterlicherseits amerikanischer Abstammung.
Andere Traber, die ich kenne und kannte, hatten ebenfalls Töltveranlagung, ohne dass diese jedoch gefördert wurde. Oft sehen deren Gänge für Laien und Otto-Normal-Wamblut-Menschen sogar aus wie ein Lahmen, so irreführend kann eine untrainierte Taktverschiebung in Richtung Pass oder bei Tölt-Ansätzen in bestimmten Situationen sein.
Wer einen töltveranlagten, bislang nicht ausgebildeten Traber (z. B. von der Bahn) kaufen möchte, sollte einen Blick in die Abstammung werfen und sich von jemanden helfen lassen der sich mit der Ausbildung von Gangpferden auskennt. Die Klassiker an Hinweisen (Gangverhalten in Schritt-Trab-Übergängen oder das Pferd bergab etwas antreiben, ohne anzutraben) erkennt man nur mit Erfahrung. Aber oft reichen auch Videos, in denen dies umgesetzt wird, um einem Profi zu zeigen, was er wissen möchte.
Ebenfalls einen Traber mit amerikanischen Genen im Pedigree hatte, über seine Mutter, mein erstes eigenes Pferd. Wenn mir ein Pferd wie dieses – mit seinem unfassbaren Übertritt im Schritt – in einem Leben unterkommt, an dem ich zum Zeitpunkt der Begegnung reiterlich schon so weit bin, ich würde versuchen, ob Tölt nicht herauszulocken wäre.
Über einen weiteren Traber mit Gangveranlagung habe ich in diesem Artikel bereits geschrieben.

