Ein Sattel nach Maß (1)

Unter einem Maßsattel versteht man einen Sattel, der maßgenau auf ein bestimmtes Pferd zugeschnitten gebaut wird – eine der Kernkompetenzen des Sattlerhandwerks. Was viele dabei nicht sofort auf dem Schirm haben ist die Passgenauigkeit für den Menschen, der dieses Pferd reitet. Besonders um die ging es mir bei dem ersten Maßsattel meines Lebens.

Klar muss der Sattel dem Pferd passen, aber mir und meinen Bedürfnissen sollten die Größe, Form und der Schnitt ebenfalls Rechnung tragen. Und da ich nicht mehr ganz jung und auch nicht mehr ganz gesund bin, stand hierbei vor allem meine Hüfte im Fokus. Ich zeige euch zum einen, welche Kriterien mir wichtig waren und wie der Sattler sie umgesetzt hat und zum anderen erfahrt ihr, wie so ein Sattel Schritt für Schritt gearbeitet wird. Und auch der Sattlermeister kommt zu Wort.

Doch vorweg erst einmal zum Pferd und zu mir: Das Gangpferd mit 1,40 m Stockmaß war ausgewachsen und ein Jahr unter dem Sattel, als ich den Maßsattel in Auftrag gegeben habe. Ihre Rückenlänge und meine Hosengröße passen wunderbar zusammen, darauf musste nicht grundsätzlich Rücksicht genommen werden.

Für meine nicht mehr ganz taufrische Hüfte brauche ich einen Flachsitzer mit null Pausche im Dressursitz, damit diese nicht blockiert. Noch wichtiger war mir, dass am Sattel so wenig wie möglich aufträgt, um meine Oberschenkel nicht weiter abzuspreizen als unbedingt notwendig. Dazu später mehr. Da ich viel im Gelände unterwegs bin und auch einmal die Bügel kürzer schnallen möchte, entschied ich mich für ein etwas vorgezogenes Sattelblatt (ähnlich einem Vielseitigkeitssattel) anstelle eines langen dressurmäßigen Blattes.

All diese Dinge habe ich mit dem Sattlermeister besprochen und auch Erfahrungen mitgeteilt, die ich in Sätteln mit Minimaldesign bereits gemacht hatte. Auf Basis dieser Gespräche hat er dann seine Vorschläge mit mir diskutiert, mir erklärt, was das Pferd braucht und wie er dies aus seiner Erfahrung umsetzen würde.

Der erste Schritt am Pferd ist das Vermessen des Rückens. (© C. Götz)

Dann ging es los: Als erstes wurde das Pferd an verschiedenen Stellen vermessen und davon eine Übersicht seines Rückenverlaufs im Bereich der Sattellage angefertigt, danach ich auf dem Sattelbock in der Werkstatt, und in verschiedenen Sätteln sitzend. Mehr darüber, und welche Schritte und Entscheidungen beim weiteren Bau des Sattels getroffen werden mussten, erfahrt ihr in den nächsten Beiträgen.