Ein Sattel nach Maß (5)

Als Abschuss meiner Artikelserie über die Entstehung meines Maßsattels, habe ich für euch noch ein Interview mit seinem Erbauer. Er ist seit über 35 Jahren Sattler, seit 1994 Meister und im Raum zwischen R/IN/LA/FS tätig. Mich haben vor allem Hintergründe zu seinem Handwerk interessiert und wie dieses sich gewandelt hat.

Was ist für dich das Schöne daran, wenn du einen Maßsattel herstellst?
Die besonderen Herausforderungen und das Vertrauen das die Kunden in mich setzen, zu erfüllen.

Du reitest selber, bist früher auch aktiv Springturniere gegangen. Hat dir das Vorteile für die Sattlerei gebracht, und wenn ja welche?
Ich hab‘ den Eindruck, dass reitende Sattler das Pferd besser verstehen. Das seh‘ ich auch bei meiner Frau und meiner Tochter, die auch beides können. Man fühlt das Pferd.

Wie viele Arbeitsstunden stecken in einem durchschnittlichen Maßsattel  – und wie teilen die sich in etwa auf?
Jetzt ohne die Fahrten zur Ausmessung und Kontrolle: Für den Baum je nach Komplexität der Anforderungen 16–20 Stunden, für die weitere Fertigstellung des Sattels um die 50 Stunden.

Wenn jemand vor der Entscheidung steht – Maßsattel oder neu von der Stange: Welche Überlegungen sollten aus Sicht von Pferd und Reiter mit hineinspielen?
Im Endeffekt ist der Leidensweg des Reiters entscheidend, ob er sich für einen Maßsattel entscheidet und damit verbunden in der Regel die Frage: Wie schwierig ist die Sattellage? Auf der anderen Seite muss man sich klarmachen, dass sich sogar ein Maßsattel nicht bei allen Pferden komplett ideal anpassen lässt. Das hängt stark von den individuellen Bewegungen und Problemen des jeweiligen Pferdes ab.

Sattlerhandwerk ist viel Handarbeit – egal ob beim Maßsattel oder bei den anderen Arbeiten, die in einer Sattlerei anfallen, wie Umpolstern, Reparaturen, etc. (© C. Götz)

Du hast ein Landwirtschaftsstudium abgebrochen, um eine Sattlerlehre machen zu können. Hast du die Entscheidung jemals bereut?
Nein, ich bin als Sattler nicht nur mein eigener Herr, ich habe auch zusammen mit meiner Frau einen Betrieb aufgebaut. Und für mich ist nicht nur die Arbeit am Sattel selbst schön, ich mag auch, dass die Pferde und ihre Menschen zu den Aufgaben gehören.

Was hat sich – außer dem Wegfall der Meisterpflicht – im Sattlerhandwerk geändert, seit du den Beruf ausübst?
Sich verändernde Moden spielen auch in unserem Handwerk eine immer größere Rolle. Das an sich wäre nicht verkehrt, aber leider bedeutet es auch, dass bei vielen die Passform in den Hintergrund tritt und die reine Optik in den Vordergrund.

Deine Tochter hat in ein paar Monaten ihre Gesellenprüfung. Was wünscht du dir für sie bezüglich ihres Berufslebens?
Das, was mir selber Freude macht: Unbefangenheit und Kreativität und dass sie eine eigene Handschrift entwickelt, eigene Ideen umsetzen kann. Es ist eh schon toll, wie sie das macht und wie sie den Beruf mit der Leidenschaft für Pferde und fürs Reiten verbindet.