Irgendwie ist es schon faszinierend, dass und wie wir und die Pferde uns an einem Elektrozaun einen Schlag holen. Noch spannender finde ich persönlich das Ganze, wenn der Strom dafür aus der Steckdose kommt. Aber zuerst einmal lohnt es sich, zu verstehen, wie und warum wir den Strom überhaupt zu spüren bekommen.
Der Strom fließt vom Weidezaungerät durch die Litze oder die stromführenden Bänder des Zaunes, durch den Körper des Pferdes in den Boden hinein und über den Erdungspfahl an das Gerät zurück. Dann ist der Stromkreis geschlossen. Nur so kann man einen Schlagimpuls bekommen.
Vorab zur Frage aus dem vorherigen Beitrag, ob es am „mehr Wasser“ im Körper liegt: Nein, damit hat es nichts zu tun. Dass Pferde den Strom so gut und auch stärker als wir spüren liegt vor allem daran, dass sie mit vier Hufen auf dem Boden stehen. So fließt der Strom besser zurück zum Weidezaungerät. Der Stromkreis ist also „effektiver“ geschlossen als bei einem Menschen – der in der Regel auch noch isolierende Schuhe trägt. Als ich mit dem aufgehobenen Pferdebein dastand, war ich Teil dieses Systems. So stark habe ich Strom tatsächlich noch nie gespürt.
Hufschutz aus Metall leitet noch besser als ein Barhuf, bei feuchtem oder nassem Boden kann der Stromkreis ebenfalls noch schneller geschlossen werden. Theoretisch – in der Praxis ist der Unterschied aber kleiner, als man denkt, und zumeist nicht wahrnehmbar.
Gravierendere Unterschiede bei den Reaktionen der Pferde sind wahrnehmbar, je nachdem mit welchem Körperteil und mit welchem Druck ein Pferd an den Strom kommt. Viele Pferdebesitzer kennen das Problem von Ponys, die mit dicker Mähne einfach die stromführenden Litzen anheben. Kommt ein sensibles Pferd hingegen mit einem dünn behaarten Teil am Körper Kontakt mit der Stromführung, sieht der Effekt schon anders aus.
Ein Pferd kann sich sogar am Zaum stromen, wenn es nicht einmal Körperkontakt damit hat. Säuft es zum Beispiel aus einer in Zaunnähe angebrachten Tränke und läuft ihm anschließend Wasser aus dem Maul auf die Litze, dann bekommt es dabei einen sehr viel krasseren Stromschlag als bei Berührung mit dem behaarten Körper, denn das Wasser leitet gut und die feuchten Schleimhäute im Maul und auf der Zunge sind empfindlicher. Auch wenn eine stromführende Litze in einer Pfütze am Boden liegt, können Pferde das beim Vorbeigehen nicht nur hören, sondern auch spüren.
Und natürlich gibt es auch massive Unterschiede wie stark der Stromschlag noch beim Pferd oder uns ankommt, je nachdem wieviel „Verlust“ im Laufe des Zauns – zum Beispiel durch Bewuchs – entsteht. Mehr darüber liest du im nächsten Beitrag.

