Immer wieder höre und lese ich, man solle mit Barhufern auf Asphalt aufpassen, geteerte Wege seien vor allem für frisch umgestellte Barhufe Gift, weil abriebstark. Ich immer so … hääähhh? Ich habe aber eine Vermutung, woher dieser Irrtum, denn als solchen würde ich ihn, nach den nun fast 20 Jahren …
… in denen ich Pferden bei der Umstellung auf Barhuf helfe, eindeutig bezeichnen.
Warum aber verursacht Asphalt entgegen vieler Behauptungen beim Barhufer wenig Abrieb, und woher kommt dieses (Vor)Urteil?
Ich vermute es hat damit zu tun, dass beschlagene Pferde, die viel auf Asphalt laufen einen sehr hohen Abrieb haben. Denn beim Aufsetzen auf Asphalt gleitet das Eisen leicht – häufig fußt auch noch die Zehe zuerst auf. Das sorgt für einen starken Abrieb am Eisen, den man nach der Beschlagsperiode gut erkennen kann.

Wenig Druck auf der Sohle, wie dieses Bild von einer etwa fünf Millimeter dicken Schneeschicht auf Asphalt zeigt. (© C. Götz)
Im Gegensatz zum Eisen gleitet ein Barhuf nicht erst, bevor er fußt. Barhuf stellt sich in der Regel schnell eine gute plane oder Trachtenfußung ein, zudem trägt der Strahl mit. Beim Aufsetzen kann der Strahl also Kräfte auffangen. Auf Asphalt gibt es nämlich einen deutlichen Unterschied in Sachen Stoßdämpfung, wenn das Pferd beschlagen oder barhuf ist. Gleichzeitig bietet Asphalt nahezu keinen Sohlengegendruck. Das hat vor allem Vorteile, wenn eine Sohle etwa beim frisch von Beschlag umgestellten Barhufer noch dünn ist.
Auch das durchs Aufbrennen der Eisen häufig spröde gewordene Horn sowie die von den Nagellöchern instabileren und ausbruchsgefährdeten Hufwände schont der Asphalt weitestgehend. Vor allem, wenn eine vernünftige Bearbeitung eventuell hebelnde Wände beseitigt hat.
Das Schrittgehen und später auch das (langsame) Traben auf Asphalt stärkt zudem die Sehnen und Bänder, die sich mit der Umstellung auf Barhuf neu ausrichten müssen, da die Bewegungsabläufe durch Eisen mehr oder weniger stark verändert wurden. Zudem muss der Bewegungsapparat des Pferdes keine großartigen Unebenheiten kompensieren. Ein durch die Umstellung ohnehin gefordertes Nervensystem wird hier also entastet.
Asphaltarbeit eignet sich – egal ob Jungpferd ohne leistungsfähigen Barhuf sowie beim ganz oder saisonal vom Eisen befreiten Huf, anfangs an der Hand, dann auch geritten – auch zum Aufwärmen vor der eigentlichen Arbeit auf dem Platz oder auf dem Weg ins Gelände. Ein weiterer Erfahrungswert ist nämlich, dass bereits durch Bewegung gut durchblutete Hufe weniger anfällig für Fühligkeit auf Böden mit mehr Sohlendruck sind.
