Ein Sattel nach Maß (4)

Grundsätzlich mag ich gebrauchte Dinge lieber, weil ich das Gefühl habe, dass ich nicht so stark darauf aufpassen muss und mich infolgedessen nicht so ärgere, wenn etwas Schaden nimmt. Aber ich habe beschlossen, ich bin jetzt aus dem Alter ‘raus, in dem mein Herz am Ganzsein von neuen Dingen hängt. Nichts bleibt unversehrt. Was das mit einem Maßsattel zu tun hat? Das war für mich …

… auf mehreren Ebenen neu. Ich musste mich darauf einlassen. Ungewohnt war auch das Einreiten des neuen Sattels. Ich wusste, da ich früher einige Male auf recht neuen Sätteln gesessen hatte, dass diese sich erst setzen müssen und darauf hatte ich nicht so richtig Lust. Auf der anderen Seite waren diese Sättel ja nicht für mich gemacht. Spoiler: Das Einreiten des Sattels war dann nicht so nervtötend wie befürchtet.

Das lag daran, dass der Sattel von Anfang an die Bedürfnisse vom Pferd und mir super getroffen hat und auch sofort richtig gut passte. Auch jetzt nach einem Jahr in Betrieb und den ersten Trainingsschritten für den Tölt bin ich super froh um die geschaffene Freiheit für mein Becken, speziell meine Hüfte, und auch den Beitrag, den das in der Höhe reduzierte Schweißblatt dazu leistet.

Das Schweißblatt ist etwa ein Viertel kürzer als üblich. (© C. Götz)

Von Anfang an war klar, dass mit einer Filzsatteldecke geritten wird, die gab es auch schon unter dem Gebrauchten zum Anreiten und deshalb war die gewünschte Verkürzung auch gut möglich. Die Kissen hätte ich aus optischen Gesichtspunkten gerne anders gehabt, aber ich habe hier dem Sattler vertraut, dass er für dieses Pferd mit diesem Rücken und diesen Bewegungen die beste Version baut.

Das war tatsächlich so. Ende Januar 2025 schrieb ich nach ein paar Ritten einer Freundin „ich bin noch nie in einem Sattel geritten, der meiner Hüfte so viel Freiheit verschafft hat“. Fazit: Ich würde es wieder machen und im nächsten Leben gibt es für jedes Pferd, sobald es in Sachen Wachstum und Training so weit ist, einen Maßsattel.

Hier noch die Auflösung zu dem Rätsel am Ende des vorherigen Beitrags:

Das Werkzeug heißt Halbmond, mit ihm werden Lederteile ausgeschnitten. Die Schablone ist für das Sattelblatt (große Tasche). (© C Götz)

Im nächsten Beitrag lest ihr übrigens ein Interview mit dem Sattlermeister, der unseren Sattel gebaut hat.