Vor 25 Jahren habe ich mal mit dem Winterfell meines Wallachs eine Art Schälchen gefilzt – ein tolles Dekoobjekt, dem ich leider den Umzug nicht zugetraut habe. Es gelang, obwohl alle Anleitungen zum Filzen, die ich damals fand, von Pferdehaar abrieten. Wie das geht, hat aktuell eine Masterarbeit an der FH Wiener Neustadt herausgefunden …
Annabell Eder untersuchte im Studiengang Eco Design erstmals systematisch, ob und wie sich die Haare aus dem Fellwechsel von Pferden technisch nutzen lassen. Nach der Arbeit mit den Haaren meines Wallachs wundert es mich nicht, dass sie zu folgendem Ergebnis kam: Pferdehaare könnten künftig zu Vliesstoffen verarbeitet und etwa für Sattelunterlagen, Akustikelemente oder Dämmmaterialien genutzt werden.
„Für die Untersuchung wurden gemeinsam mit zehn Pferdehalterinnen und Pferdehaltern rund 30 Kilogramm Rohmaterial gesammelt und anschließend analysiert. Dabei arbeitete Eder mit mehreren Forschungspartnern zusammen, darunter die Hochschule Hof unter der Leitung von Claus-Ekkehard Koukal, das Unternehmen Groz-Beckert sowie das Francisco Josephinum in Wieselburg“, teilte die FH mit.
Die Analysen zeigen: Pferdehaare sind vergleichsweise glatt, wenig gekräuselt und relativ steif – Eigenschaften, die ihre textile Verarbeitung erschweren. Dennoch konnten unter anderem durch Vernadelungs- und Wasserstrahlverfahren sowie durch Mischungen mit Fasern wie Lyocell oder Wolle, Stoffe hergestellt werden.
„Die Arbeit zeigt sehr anschaulich, dass auch ungewöhnliche Reststoffe ein Potenzial für die Kreislaufwirtschaft haben können“, sagt Emmerich Haimer, wissenschaftlicher Betreuer der Arbeit und Studiengangsleiter für Industrielle Kreislaufwirtschaft an der FH Wiener Neustadt.
Wer versuchen möchte, Winterfell von Pferdes zu filzen: Nehmt längere Haare, wie die von Shetlandponys, Isländern und anderen Robustpferden die in Offenställen gehalten werden, und/oder mischt diese mit kürzeren Haaren. Ein Filzball lässt sich damit zügig herstellen – einfach die Haare mit Seife nass machen und zu einem Ball kneten. Aber rechnet nicht damit, dass die Katze den gut findet. Meine war nicht daran interessiert.


