Mein Lieblings-Warm-up

Vorweg: Mein Lieblings-Warm-up gibt es nicht, alle meine Pferde haben unterschiedliche Dinge gebraucht, um sich in der Schrittphase gut aufzuwärmen und auch schon zu lösen. Stopp: Mein Lieblings-Warm-up ist ein Aufwärmprogramm das überhaupt stattfindet! Oft genug sieht man in vielen Ställen nämlich in nur zwei Minuten: rauf, runter, Galopp*.

Viele verstehen unter dem Aufwärmen nur den Schritt am Anfang der Einheit. Die Angaben für die Schrittphase betragen (auch abhängig von Witterung und Haltung) zwischen zehn und zwanzig Minuten. Warum ich es bei meinen Pferden unterschiedlich handhabe, erkläre ich an ein paar Beispielen:

  1. Das Jungpferd geht an der Hand ins Gelände. Die ersten Runden sind 20 Minuten Schritt. Als ich das Pferd besser kenne und einschätzen kann, wann es die Bewegungen durch seinen Körper lässt, baue ich auch schon nach zehn Minuten Schritt kleinere Trabstrecken ein.
  2. Die ältere Stute profitiert in Sachen Aufwärmen sehr von kurzen Trab-Reprisen am langen Zügel (zwei, drei Trabtritte, am Sitz in den Schritt parieren, eine Pferdelänge Schritt, wieder antraben, etc.). Fünf, sechs davon baue ich oft schon nach zehn Minuten Schritt ein, danach geht es noch eine Weile im – nun deutlich verbesserten – Schritt weiter.
  3. Jüngere, ältere oder Pferde in Reha führe ich gerne erst zum Aufwärmen und reite dann noch eine Weile Schritt.
  4. Benötigt ein Pferd in der Regel ein längeres Schrittreiten, lege ich das gerne ins Gelände, entweder von Anfang an oder nach ein paar Minuten warmführen oder -reiten in der Bahn.

Es ist kalt, die Untergründe sind fordernd: Jetzt sollte man länger aufwärmen. (© C. Götz)

Außerdem nehme ich natürlich Rücksicht auf die Tagesform – körperlich wie mental. Wenn  also die ersten Tritte Trab noch nicht so sind, wie ich mir das bei diesem Pferd wünsche, geht es halt noch weiter Schritt, gegebenenfalls mit ein paar Ideen aus diesem Artikel. Auch das Wetter (im Hinblick auf die Muskulatur des Pferdes) und die Bodenbeschaffenheit (im Hinblick, wie fordernd sie fürs Pferd ist) beziehe ich ein.

Fazit: Wenn man ein Pferd nicht kennt, sollte man besser zwanzig Minuten Schritt mit ihm einplanen. Man sollte lieber länger als zu kurz aufwärmen. Besonders Pferde mit Handicaps (Arthrosen, alte Verletzungen oder Sehnenprobleme) benötigen mehr Aufwärmen im Schritt sowie ein angepasstes Programm zum Lösen – gerne ebenfalls im Schritt.

Übrigens: In diesem Beitrag geht es um das Aufwärmen vor dem Freispringen.

* Rauf aufs Pferd, nach zwei Runden im Schritt kommt die Abschwitzdecke runter und es wird direkt angaloppiert.