„Meine Philosophie basiert auf dem Mitspracherecht der Pferde und dem selbstbewussten Agieren des Menschen“, schreibt Autorin Anna Kannegieter auf ihrer Homepage. In diesem Sinne will sie auch ihr eben erschienenes Buch* verstanden wissen. „Es dreht sich um die Frage: Was wünscht sich mein Pferd von mir?“
Ziel der Trainerin ist es, „durch mehr Sicherheitsversprechen von Seiten des Menschen, das Selbstvertrauen des Pferdes zu fördern und so zu einer selbstverständlichen, achtsamen und leichten Verbindung mit dem Pferd zu kommen“. Laut Verlag soll damit „jeder Pferdebesitzer die Bindung zu seinem Pferd stärken und sein Pferd besser lesen“ können.
Wer Lust hat sich auf dem Weg mit dem eigenen Pferd immer wieder zu hinterfragen, wer nach Klarheit und Stringenz in der Arbeit mit dem Pferd strebt, dem können sowohl die fast schon philosophisch anmutenden Überlegungen der Autorin helfen, als auch ihre sehr konkreten Fallbeispiele von eigenen und Berittpferden.
Bei den praktischen und theoretischen Tipps zur Wahrnehmung der Pferde und der Selbstreflexion steht folgende Aussage der Autorin stets im Fokus: „Wir haben es tagtäglich in der Hand, ob wir eine Begegnung mit unserem Pferd positiv abschließen oder nicht.“
Der Wermutstropfen im Buch: fast durchgängig deutlich übergewichtige Pferde. Für mich gehört zur bestmöglichen Unterstützung der physiologischen und psychischen Bedürfnisse von Pferden auch, sie in einer idealgewichtigen Konformation zu halten. Mit allem anderen tut man ihnen keinen Gefallen. Ich will damit nicht sagen, dass dies gut gemachtes „Empowerment“ ad absurdum führt, aber zumindest die Vorbildfunktion leidet meiner Ansicht nach, und das ist schade.
* Anna Kannegieter, Empower your horse, Kosmos Verlag 2026, 128 Seiten Paperback, 22,– Euro

