Stallgeschichten: Freiarbeit

Es gibt so Dinge, für die man sich gleichzeitig ohrfeigen und feiern möchte. Fällt ihnen gerade keine Situation zu ein? Ginge mir höchstwahrscheinlich genauso, wäre nicht vor einigen Wochen exakt so etwas passiert. Die Protagonisten: meine junge Stute, ein streunender roter Kater und ich …

Schon beim Fotoshooting für den Beitrag zeigte mir die Stute, dass mein eigenes Selbstbewusstsein in punkto Freiarbeit gestiegen war. Ihre Mitarbeit dabei wäre eine neue Stallgeschichte wert … (© pferdekosmos.de)

Zeit für die Abendfütterung, ich mache die Außenbeleuchtung an und gehe Richtung Stall. Im funzeligen Licht sehe ich den fremden Kater außerhalb des Paddocks auf Mäuse ansitzen, während der Jungspund angelaufen kommt. Einem Impuls folgend, deute ich mit ausgestrecktem Arm auf den Kater, die Stute im Blick. Ich gestehe: Einerseits war es meine Sorge, das Jungpferd könnte sich erschrecken, andererseits konnte ich den kleinen Kobold der über meine Schulter spitzt deutlich spüren.

Jetzt muss ich kurz einschieben, dass ich mit ihr ab und an ein wenig Freiarbeit mache: sie auf Fingerzeig rund um den Baum oder die Raufe schicke oder rauf auf die Stufe im Paddock oder rüber über die Wackelmatte. Nichts Großartiges, es funktioniert je nach Tagesform mal besser, mal schlechter.

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass sie dem Finger in diesem Fall folgt (und dann auch so engagiert wie noch nie). Im forschen Trab auf den Kater zu, der läuft nicht raus aus dem Grundstück aufs Feld, sondern zurück über den Paddock. Und das Stütchen mit Feuereifer wie eine Große mit den Vorderhufen im Galopp auf den Boden stampfend dem Roten hinterher …

Ooops! Obwohl er ständig meine Katze terrorisiert tat mir der Streuner leid. War aber nicht nötig: Der Rote betrachtet mein Grundstück weiter als sein Revier. Es bleibt zu hoffen, dass das Jungpferd von der Aktion an Selbstbewusstsein gewonnen hat. Meines wurde auf alle Fälle punkto Freiarbeit gestärkt