Alte Argumente pro Barhuf

Immer wieder wollen Kunden meine Meinung dazu hören, ob sie ihr Pferd auf barhuf umstellen sollen. Oft gibt es eine Vorgeschichte in Form von Huf- oder Beinproblemen und häufig wurde ihnen bereits dazu geraten. Das Wichtigste ist: Man muss für jedes Pferd seinen individuellen Weg bei der Umstellung von Eisen finden. Aber es gibt einige Argumente, die für alle gelten und wirklich neu sind die nicht.

Schon Tierärzte und Schmiede der vergangenen Jahrhunderte, als das Pferd überlebensnotwendiger Bestandteil des Alltags der ganzen Welt war, kannten die Nachteile und den Schaden, den Beschlag am Pferdehuf anrichtet. Die Hethiter, ein kleinasiatisches Volk des Altertums, und die Griechen zur Zeit Xenophons wussten über Training und Haltung für Barhufpferde aufs Beste Bescheid, denn sie hatten noch gar keinen Hufbeschlag. Frühe Formen von Hufschutz sind eine Art Sandale aus Ägypten und dem alten Rom. Genagelte Hufeisen, wie sie heute verwendet werden, tauchen erstmals im frühen Mittelalter (um 600 n.Chr.) auf, weiter verbreitet war der Hufbeschlag erst etwa ab dem Jahr 1000.

Neue Beweise für alte Argumente: Diese Thermografie-Aufnahmen zeigen ein Barhufpferd links und ein beschlagenes Pferd, die in zwei Paddockboxen nebeneinander stehen am frühen Morgen desselben Tages. Sie zeigen, dass die Durchblutung beim beschlagenen Pferd stark eingeschränkt ist. (© E. Ruhland)

Neue Beweise für alte Argumente: Diese Thermografie-Aufnahmen zeigen oben zwei Barhufpferde und unten zwei beschlagene Pferde, die alle in Paddockboxen nebeneinander stehen am frühen Morgen desselben Tages. Man sieht deutlich, dass die Durchblutung bei den beschlagenen Pferden stark eingeschränkt ist. (© E. Ruhland)

Es ist erstaunlich, wie viele alte Quellen sich ganz klar gegen den Hufbeschlag aussprechen und sich in ihren Beobachtungen der negativen Folgen mit modernen Untersuchungen decken. Einer der frühen Kämpfer gegen den Hufbeschlag war der englische Tierarzt Bracy Clark (1771–1860), der während seiner Arbeit am London Veterinary College unter anderem feststellte, dass ein Huf, der – wohlgemerkt korrekt – beschlagen wurde, von Jahr zu Jahr enger wird: „Die Untersuchung mehrerer Zwanghufe hat ergeben, dass die Hufknorpel an der Basis, also an den Anwachsstellen am Hufbein, verknöchert waren. Auch das Hufbein wird unter dem Druck des Eisens verkleinert.“

In seiner Studie schrieb Clark außerdem, dass die kontinuierliche Kompression eine Behinderung der Blutzirkulation mit sich bringt und der Hufzwang den Weg für Strahlfäule vorbereitet. Völlig zeitgemäß sind seine Schlüsse aus diesen Beobachtungen: „Ein solcher Huf kann ohne Eisen nicht mehr laufen. Dadurch wird für die öffentliche Meinung die angebliche Notwendigkeit des Eisens bewiesen. Es ist ein Fehler, den vom Eisen befreiten Huf als natürlichen Huf anzusehen.“

Ein häufiges Argument für Eisen ist, dass beschlagene Pferde – speziell mit Stiften oder Stollen – mehr Bodenhaftung haben sollen. Das ist nicht richtig, denn mit dem Huf erfühlt das Pferd den Boden, seine Neigung und Beschaffenheit. Wer jemals ein hufgesundes Barhuf-Pferd auf schwierigen Böden geritten hat, erkennt den Unterschied. Wie etwa der Barhufverfechter Oberst Peter Spohr (1828–1921): „Mehrere erste Preise in Hindernisrennen habe ich auf barfüßigen Pferden davongetragen.“ Noch deutlicher wird Clark, wenn er schreibt: „Ein großer Vorteil des natürlichen Hufes ist, dass man über jeden Boden reiten kann, unabhängig davon, wie glatt oder steil er ist, und der Huf wird nicht rutschen.“