Farewell, Monty Roberts

Im Jahr 1997 erschien in Deutschland ein Buch, das große Wellen schlug und das der Entwicklung der Pferdewelt nicht nur hierzulande einen Entwicklungsschub verschafft hat. Sein Autor, der US-Amerikaner Monty Roberts, verstarb am 31. Juli in seinem 92. Lebensjahr. Die Geschichte …

… des Buches „Der mit den Pferden spricht“ ist ebenso einmalig und besonders wie die Lebensgeschichte von Monty Roberts selbst. Die wenigsten wissen, dass dieses Buch hierzulande nicht als Trainingsbuch gedacht war.

Die autobiographische Lebensgeschichte eines Mannes, der seit frühester Jugend mit Pferden arbeitete, ist aktuell nur antiquarisch zu bekommen. ©

Der verantwortliche Lektor des Verlages – ich habe ihn selbst in den Nuller-Jahren (das Buch war längst ein Bestseller) noch kennengelernt – erzählte, ihn habe die Lebensgeschichte fasziniert: Ein Mann seiner Generation, der sich für die Pferde von seinem gewalttätigen Vater befreit.

Er fragte sich aber natürlich damals dennoch, wie viele Reiter es wohl in Deutschland gäbe, wie groß also diese Zielgruppe für das Buch wäre. Er rief den Vorstand des örtlichen Reitvereins an, der ihm die Höhe der FN-Mitgliederzahl nannte. Wie groß die Gruppe der restlichen Pferdemenschen war, konnte er nicht einschätzen.

Es ist ein Wunder, dass der Verlag sich aufgrund dieser Angabe für das Buch entschlossen hat. Der Erfolg gab ihm recht. Aber Monty Roberts hat – besonders jenseits seiner Bücher – stets polarisiert.

Man mag zu Monty Roberts stehen, wie man möchte, für mich ist unbestritten: Er war einer derjenigen, die eine Wende im Umgang mit Pferden mit eingeleitet haben. Die bekannte Tierverhaltensforscherin Temple Grandin fasst es so zusammen: „Man muss ihm Anerkennung zollen. Er war einer der Ersten, der sich von den groben Methoden abwandte, bei denen man ein Pferd an einen Pfahl band und es mit einem Sack über den Kopf schlug.“

Er hat berühmte Fans, darunter viele Besitzer und Trainer aus der Galopprennsport. Und auch die verstorbene Queen Elizabeth II hat ihn konsultiert und ihm Türen geöffnet. Monty Roberts ruhte sich nicht auf seinem Erfolg aus: Jahrzehntelang reiste er um die Welt, um seine Methoden vorzuführen und zu lehren, Pferde auszubilden und Bücher zu schreiben.