Ein Übermaß an Kalorien kann beim Pferd nicht nur zum Aufbau von Fett, sondern auch zur Einlagerung von Wasser führen. Ist das jetzt besser oder schlechter oder gleich schlimm? Das kommt darauf an – auf das jeweilige Pferd und auf die Möglichkeiten, die man hat, es wieder wegzubekommen und für die Zukunft zu verhindern.
In diesem Beitrag hatte ich das Problem der Unterscheidung zwischen Fett und Wassereinlagerungen bereits angesprochen. Und wie dort die Bildunterschrift bereits verrät, helfen einem die eigenen Hände bei der Diagnose. Aber nicht nur. Doch der Reihe nach …
Der Verursacher von Fett wie von Wasser im Gewebe ist Überfütterung, genauer: die Reaktion des Körpers auf zu viele Kalorien beziehungsweise Zucker. Ein Zuviel an Zucker (im Heu und/oder Weidegras) führt über den dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel zu Wassereinlagerungen, denn er beeinflusst den Elektrolythaushalt und die Gefäßdurchlässigkeit. Überschüssige Nährstoffe aus Zucker, Stärke und Kohlenhydraten werden in den Fettzellen gespeichert. Dies fördert eine Insulinresistenz, die zu einem dauerhaft erhöhten Insulinspiegel führt. Somit kann auch Übergewicht in Form von Fett dazu führen, dass das Pferd Wasser einlagert.

Diese übergewichtige Stute hat im Bereich der Flanken weit den Bauch hinunterreichende Wassereinlagerungen. (© Pferdekosmos.de)
Meiner Erfahrung nach ist der Stoffwechsel bereits deutlich entgleist, wenn beides vorliegt – deutliche Fettpolster (z. B. über den Rippen und am Kamm) und Gewebewasser. Überwiegt entweder das eine oder das andere, handelt es sich meist noch um beginnende Stoffwechselstörungen.
Bei der Frage Wasser und/oder Fett sind drei Faktoren wichtig:
- der Ort,
- der Tastbefund und
- die Reaktion auf Training.
Der Ort: Ein Pferd hat Wassereinlagerungen in der Regel vor allem im Bereich der Lende (oben und seitlich), sowie an Euter oder Schlauch. Auch hinterm Schulterblatt kann man Wassereinlagerungen finden. Fett befindet sich in der Regel am Mähnenkamm, am Rumpf (Rücken, Rippen) und am Schweifansatz.
Der Tastbefund: Fett ist eher fest, Wasser fühlt sich teigig an und ein Finger, den man hineindrückt hinterlässt kurz eine Delle.
Die Reaktion auf Training: Wird das Pferd gearbeitet, bilden sich Wassereinlagerungen oft im Lauf der Trainingseinheit deutlich zurück oder verschwinden sogar ganz.
Im nächsten Beitrag geht es darum, welche Maßnahmen, für welches Problem zielführend sind.
