Ad libitum: Adipositas?

Heu zur freien Verfügung macht die Pferde fett. Stimmt und stimmt doch so nicht. Es kommen nämlich eine ganze Menge Faktoren zusammen. Und immer wieder tauchen dabei auch neue Aspekte auf.

Von Heu zur freien Verfügung werden viele Pferde adipös, also zu fett. Ob es sich tatsächlich um Fett ((http://pferdekosmos.de/fett-ist-nicht-gleich-fett/)), um Wassereinlagerungen ((http://pferdekosmos.de/gierig-auf-brennnesseln/ )) oder Muskeln handelt lässt sich häufig nur durch Abtasten feststellen. (© Stefan-Xp, Wikipedia)

Von Heu zur freien Verfügung werden viele Pferde adipös, also zu fett. Ob es sich tatsächlich um Fett, um Wassereinlagerungen oder Muskeln handelt lässt sich häufig nur durch Abtasten feststellen. (© Stefan-Xp, Wikipedia)

Eine der faszinierendsten Beobachtungen in punkto Heuzugang rund um die Uhr machte ich vor einigen Jahren in einem Offenstall, in dem fast dreißig Tiere gemeinsam gehalten wurden: Großpferde, darunter Blutpferde, sowie Kleinpferde und Ponys. Alle Ponys – angefangen vom kleinsten Shetty – sowie die Kleinpferde waren in einem idealen Futterzustand. Alle Großpferde, darunter die Blüter, waren zu fett. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Jedes der Tiere dort hatte – durch viele verschiedene Futterstellen – die Chance so viel zu fressen wie es wollte. Der einzige Unterschied zwischen den Gruppen: Alle Ponys und Kleinpferde wurden im Schulbetrieb eingesetzt. Die Großpferde waren privat und wurden deutlich weniger bewegt. Bewegung verbrennt Kalorien und bildet Muskeln. Außerdem können die Tiere in der Zeit nicht fressen. Zudem vermute ich, dass sie auch nicht aus purer Langeweile ans Heu gingen, wie man es von un- oder wenig ausgelasteten Pferden kennt.

Doch auch das Heu selber kann mehr oder weniger kalorienreich sein, wie ein Versuch von Offenstall-Expertin Tanja Romanazzi zeigte: Ihre Vermutung war, „dass die Zuckerwerte deutlich niedriger liegen“ wenn Pferde trotz Heu ad lib nicht zu dick werden. Das Ergebnis ihrer Stichprobe bestätigte die Vermutung. Hinweise zu den Heuproben legen zudem nahe, dass vor allem der Verzicht auf Düngung zu zuckerärmerem Heu führt.

Ist nun solch zuckerreduziertes Heu die Lösung aller Probleme? Ich meine: Nein. Es besteht die Gefahr, dass es zu wenig Eiweiß enthält. Zudem muss man sich fragen, was es mit dem Stoffwechsel eines Pferdes macht, wenn es ständig fressen muss, um alle benötigten Nährstoffe zu bekommen. Drängt sich die Frage auf, ob nicht viele der Pferde, die sich bei 24/7-Heu kugelrund fressen, dies auch tun, weil das Heu, das sie bekommen, ihren Bedürfnissen in punkto Struktur und/oder Mineralien nicht gerecht wird.

Abschließend noch eine Beobachtung aus meiner therapeutischen Praxis: Die wenigen Pferde, die ich kenne, die bei Heu ad lib und wenig Arbeit nicht zu fett werden – weil sie anscheinend tatsächlich aufhören zu fressen – „haben“ eigentlich alle was. Sind also bekanntermaßen nicht gesund.