Beim Reiten muss man Schuhe mit Absatz tragen. Egal ob Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V.* oder Westernreiter** – alle sind sich einig, das dient der Sicherheit. Warum, fragen sich vor allem Reitschülerinnen und deren Eltern, die alten Turnschuhe wären doch eh vorhanden. Nun ist es besser, dickeres und stabileres Material als Mesh-Gewebe oder Stoff über den Zehen zu haben, …
… wenn ein Pferd darauf tritt. Noch wichtiger ist aber der Absatz. Wer es noch nicht wusste: Er ist speziell fürs Reiten erfunden worden. Ja, dass wir Frauen uns heute auf Heels quälen, haben wir mit allergrößter Wahrscheinlichkeit den Reitervölkern aus dem Osten zu verdanken, die den Steigbügel erfunden haben.
Die ältesten Vorläufer sind aus der Zeit kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung von asiatischen Steppenvölkern und aus Indien bekannt. Es handelt sich um einfache Zehenschlaufen. Der uns heute bekannte Steigbügel aus Holz oder Metall wurde im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. in China erfunden. Er revolutionierte das Reiten und die Kriegsführung grundlegend, denn erstmals konnte aus einem „leichten Sitz“ und damit zielsicherer mit dem Bogen geschossen werden.
Der große Nachteil den wir heute sehen: Man kann mit dem Fuß durchrutschen und dann bei einem Sturz vom Pferd mitgeschleift werden. Die Forderung nach einem Absatz macht also diesbezüglich Sinn.
Angeblich ging es bei der Erfindung des Absatzes am Schuh im 10. Jahrhundert in Persien aber nicht um Sicherheit, sondern um Stabilität beim Reiten: Der Absatz ermöglichte es, den Fuß besser im Steigbügel zu verankern. Und dieser zusätzliche Halt ermöglichte es den Reitersoldaten, besser vom Sattel aus zu kämpfen.

Eine Reiterstatue von Ludwig XIV. mit damals durchaus üblicher Absatzhöhe an Reitstiefeln. (© Djampa, Wikipedia)
Reiterlich setzte sich der Absatz voll durch. Eine Mode wurde er abseits des Sattels so zuerst für Männer, mit dem Höhepunkt im Barock. So setzte im 17. Jahrhundert der rote Absatz des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. ein Symbol für Macht und Reichtum. Zudem erreichten die Absätze eine recht stattliche Höhe. An Ludwigs Schuhen sollen es bis zu 13 Zentimeter gewesen sein.
* „Festes Schuhwerk ist zum Reiten unerlässlich. Dieses muss mindestens knöchelhoch sein, um das Fußgelenk zu stabilisieren und über einen kleinen Absatz verfügen, um zu verhindern, dass der Fuß durch den Steigbügel rutscht.“
** „Zwar gibt es keine offiziellen Normen für Reitstiefel, doch sollten Sie ein Paar mit einem Absatz von etwa 2,5 bis 4 cm und wenig Sohlenprofil wählen. Der Absatz verhindert, dass Ihr Fuß beim Reiten durch den Steigbügel rutscht.“
