Als ich vor etwa zwanzig Jahren auf einer Pferdesportmesse erstmals über die damals hierzulande noch recht junge Innovation der Schweif-Extensions stolperte und mich mit der Verkäuferin unterhielt, hätte ich mit einem ganz sicher nicht gerechnet: Dass das Nischenprodukt durchaus in manchen Fällen Berechtigung hat …
… war mir klar. Aber dass es heute sehr, sehr viele Pferde bei offiziellen Anlässen – aka Pferdesport- und Zuchtveranstaltungen – tragen, das hätte ich mir damals nicht vorstellen können. Heute weiß ich mehr darüber und bin überhaupt nicht begeistert, dass es so gekommen ist.
Unter Westernreitern, die sich ja bekanntermaßen leichter tun „schwierige“ Dinge eindeutig beim Namen zu nennen (siehe Mouthcloser für Sperrriemen) ist bekannt, dass Schweiftoupets dazu beitragen können, einen unruhig pinselnden Schweif zu beruhigen und/oder zu einer natürlicher anmutenden Schweifhaltung zu verhelfen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Haare durchaus Gewicht haben und das Pferd natürlich dieses Gewicht auch spürt.

Die australische Tiktokerin Caitlyn Adcock, die FEI-Dressurbewerbe der Klasse M startet, nutzt bei ihrem Pferd Schweiftoupets und erklärt in diesem Video ihr Handling.
In Dressurreiterkreisen tragen inzwischen vom Verkaufspferd bis in die höchsten Klassen immer mehr Pferde Schweifhaar, das nicht ihr eigenes ist – weder an Menge, noch an Länge.
Fakt ist: Wir empfinden dichtes Haar bei Mensch und Pferd als schön, es lässt nicht nur uns gesund und jugendlich aussehen. Pferde mit dürftigem Schweifhaar treffen mindestens so fiese Blicke und Kommentare wie junge Männer, die unter Haarverlust leiden. Nicht, dass es den Pferden so viel ausmachen dürfte wie den Reiterinnen …
Also behilft man sich mit Fremdhaar. Fans schwärmen von einer „optischen Aufwertung“ für Turniere, Shows und Körungen. Die FN erlaubt das ohne weitere Bedingungen. Das Haar muss lediglich natürlich sein und bei Verfassungsprüfungen und Pferdekontrollen müssen die Teile raus. (Wobei ich bezweifle, dass das gemacht wird.)
Anders die FEI: Hier ist extra Schweifhaar nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung zulässig. Dem formellen Antrag müssen Fotos des natürlichen Schweifs sowie ein amtliches tierärztliches Attest beigefügt werden, in dem die medizinische oder praktische Notwendigkeit (z. B. eine Verletzung oder spärlicher Haarwuchs) erläutert wird. Die Extensions dürfen kein zusätzliches Gewicht enthalten.
Doch genau hier liegt – auch völlig ohne zusätzliche Gewichte – ein Problem der Anwendung, wie ich im nächsten Beitrag erläutern werde …
