Ich bin ja immer auf der Suche nach historischem Pferdewissen. Nachdem eine liebe Bekannte mir auf einem Fest erzählt hatte, dass ihre Großmutter ein Buch über ihre Jugend in der historischen Region Lettgallen geschrieben hat, musste ich das natürlich unbedingt sofort lesen:
1923 als Jolanthe von Römer geboren, lebt die heute 103-jährige in Bayern. In ihren Erinnerungen über „Unser Janopol“ schreibt sie, eindrücklich und kurzweilig erzählt, vor allem über ihre Kinder- und Schulzeit bis zu ihrer Flucht im Frühjahr 1940.

Jolanthe von Montgelas, Unser Janopol, 196 Seiten, epubli 2026, 24,99 Euro
Besonders interessierten mich natürlich die Geschichten, in denen Pferde vorkommen. In diesem Zusammenhang hat mich ein Hinweis besonders beeindruckt: Das eingebrachte Heu wurde nämlich direkt beim Einlagern gesalzen. „Jedes Bündel wurde verstaut und mit einer Handvoll Salz bestreut. Papa sagte, dass sich das Ungeziefer nicht gerne im salzigen Heu halten würde und das Vieh es gesalzen auch lieber annehme.“ Gut möglich, dass man somit keinen Bedarf an Lecksteinen hatte. Neue Studien zeigen, dass Pferde Salz lieber gefüttert bekommen, als es zu lecken.
Bilder von historischen Fuhrwerken, Zug- und Reitpferden sowie Geschichten dazu finden sich quer durch die fast 200 Seiten immer wieder. Man erfährt, wie das Einreiten eines Jungpferds vonstatten ging und dass man für manche Unternehmungen „wolfsfeste“ Zugpferde brauchte. Mindestens so spannend wie die erinnerten Einsprengsel zu den Pferden waren für mich auch die Erlebnisse aus der Kinder- und Jugendzeit und wie das Leben dort auf dem Resthof nach der Enteignung 1920 geführt wurde.
Ein schönes Detail in dem Buch sind neben den historischen Fotos auch die Bilder von Jolanthe von Montgelas’ Mutter Anna, geborene Soltan. Die wunderbaren Aquarelle der international bekannten und anerkannten Künstlerin, egal ob von Menschen, Tieren oder Landschaften und auch die Stilleben, wirken teilweise so realistisch wie Fotos.
Nicht nur für Pferdemenschen ein tolles Zeitdokument von einer faszinierenden Frau, dem ich lediglich mehr Sorgfalt beim Korrekturlesen gewünscht hätte.
Mehr historisches Pferdewissen findest du hier auf meinem Blog.
