(3) Andere Rassen, andere Gänge …

… bei iberischen Pferden. Wer jetzt sagt: Das eine iberische Pferd gibt es nicht, der hat absolut Recht. Denn erstens reden wir hier von verschiedenen Rassen – die bekanntesten PRE und Lusitano – und zweitens gibt es natürlich auch innerhalb jeder Rasse unterschiedliche Typen. Dennoch möchte ich mit diesem Beitrag …

… auf eine Sache hinweisen, die mir in Sachen Gangwerk im Laufe der Jahre bei Iberern besonders aufgefallen ist: das Tempo, genauer, das Tempo im Trab.

Grundsätzlich ist es für jedes Pferd am Anfang seiner Ausbildung und bei jedem einzelnen Aufwärmen wichtig, dass in Schritt und Trab das richtige Tempo für dieses Pferd gefunden wird. Viele Pferde werden vor allem im Trab übereilt geritten – ein falsch verstandenes Vorwärts, das oft auch noch beinhaltet, dass man das Pferd mit dem Zügel formen möchte.

Letzteres hält der gemeine Warmblüter im Schritt nicht aus (es entsteht Pass) und einen typischen Iberer (zer)stört ein unpassendes Trabtempo am ehesten. Erfahrungswerte, die sich eben auf eine Vielzahl, aber natürlich nicht auf alle Iberer beziehen und natürlich auch andere Warmblutrassen oder hypermobile Pferde treffen können.

In der Arbeitsreitweise der Rinderhirten Spaniens, der Doma Vaquera, steht der Galopp neben dem Schritt an erster Stelle und der Trab war für die Fortbewegung nicht so wichtig. (© Manuel Goméz, Wikipedia)

Was passiert nun im unpassenden Trabtempo? Im Zweitakt Trab können Warmblüter oft recht gut den längeren Rücken stabilisieren, auch und gerade bei höherem Tempo, ohne dass sie dabei verspannen. Iberer werden aber aufgrund ihrer kürzeren Oberlinie sowie dem höheren Halsaufsatz und dem eher aufs Tragen als aufs Schieben ausgerichteten Exterieur bei überhöhtem Tempo schneller Schenkelgänger, gehen dann also nicht mehr über den Rücken. Auf Dauer geht das auf die Sehnen und Bänder der Extremitäten, hinten wie vorne.

Übrigens: Um das richtige Tempo für das jeweilige Pferd zu finden gibt es ein paar Möglichkeiten. Wer es spürt, fühlt ein Hergeben des Rückens bei gleichzeitigem Fleiß, wer es sieht, kann an der Longe oder auf einem Video erkennen, dass die Bewegung durch den Körper geht und das Pferd ganz aussieht (Vor- und Hinterhand bewegen sich im Gleichmaß und nicht, als ob sie zwei verschiedenen Pferden gehören würden).

Und nur um Missverständnissen vorzubeugen: Grundsätzlich tut jedem Pferd ein natürliches Vorwärts gut. Nachvollziehbar beschrieben habe ich dessen Ausbildung in dem Buch Vorwärts, aber klassisch gefunden.

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