… oder noch besser: verhindern. Fast jedes Pferd kommt irgendwann in die Phase, in der es Hilfen vorwegnimmt. Eine der nervigsten und auch für das Pferd nicht gerade förderlichen Angewohnheiten ist es, im Schritt anzuzackeln. Sehr viele Pferde betrifft dieses Problem irgendwann und in den allermeisten Fällen sind wir selber die Ursache.
Der Klassiker ist: Wir bringen dem Pferd bei, dass dem Aufnehmen der Zügel im Schritt ein Antraben (oder Angaloppieren) folgt. Das tun wir nicht bewusst, aber für das Pferd ist die Reihenfolge klar und einprägsam:
- Zügel lang oder hingegeben im Schritt
- verkürzen oder nachfassen der Zügel
- Hilfe zum Antraben (oder Angaloppieren)
Ein braves, lernwilliges Pferd, das gerne vorwärts geht – so wie man es eigentlich haben will – merkt sich die Zusammenhänge schnell und ist nur zu bereit, die Hilfe zum Antraben (oder Angaloppieren) nicht abzuwarten. Dann ist der Frust auf beiden Seiten groß: Das Pferd wird im Vorwärts blockiert, weil: will man ja noch nicht.

Unterschiedliche Pferdetypen reagieren verschieden, wenn das Vorwärts im Schritt blockiert wird. (© C. Götz)
Jetzt fängt das Pferd (je nach Temperament und Ausbildungsstand) an …
- … zu zackeln
- … Pass zu gehen
- … sich zu verspannen (Hals hoch, Rücken weg)
- … gegen das Gebiss zu gehen
- … anzutraben
- … sich schief zu machen
Bei vielen Pferde verschlimmert sich das Problem oder taucht beim Reiten erst nach dem ersten Trab oder Galopp oder auf dem Nachhauseweg vom Ausritt auf. Was hilft also, wenn es dazu kommt?
Die halbe Miete ist, dass du erkennst, dass du dem Pferd eine Erwartungshaltung antrainiert hast. Wie baut man die jetzt wieder ab? Eine gute Maßnahme ist, bereits beim Warmreiten im Schritt das Zügelmaß ständig zu variieren – länger, kürzer –nur für ein paar Schritte oder Meter. Wer es schon kann, holt sich das Pferd aus dem Sitz in das verkürzte Zügelmaß, wer es noch nicht kann, macht das Ganze mit möglichst passivem Sitz und achtet trotzdem darauf, dass der Schritt sich im Takt möglichst nicht verändert.
Eine weitere gute Option bei vielen Pferden ist, mit langem oder sogar hingegebenem Zügel anzutraben. Je nach Typ helfen auch sehr kurze Trabreprisen im Wechsel mit (etwas längeren Schrittreprisen), das Pferd wieder auf die Hilfengebung aufmerksam zu machen. Wenn bereits erlernt, können Lektionen wie Schulterherein oder Seitverschiebungen ausprobiert werden.
Macht man im Training immer dasselbe auf dieselbe Art, nehmen viele Pferde Hilfen vorweg. Um ihre Erwartungshaltung zu durchbrechen musst du also zuerst das Muster verstehen, dass du selber aufgebaut hast.
Mehr Lösungen zu unterschiedlichen Problemen im Schritt findest du hier, und hier, sowie in diesem Beitrag.
