Eine Studie, über die ich im letzten Artikel berichtet habe, zeigte, dass fast drei Viertel der Pferde über 30 Jahre nicht mehr nur mit Heu oder Gras ernährt werden können. In der Altersgruppe zwischen 20 und 24 Jahre hingegen brauchen nur 21 Prozent bereits Zusatzfutter. Hier einige Fallbeispiele …
… wie diese zusätzliche Fütterung aussehen kann.
Aktuell füttere ich gerade meiner 23-jährigen Stute folgendes Kraft- und Ergänzungsfutter zu. Es ist nötig, da ein Backenzahn nicht mehr intakt ist und der Eiweißverlust im bedampften Heu für die altersgemäß schlechter werdende Verstoffwechslung aufgefangen werden muss:

Die Zutaten für das unten beschriebene Zusatzfutter eines 23-jährigen 450-Kilo-Kleinpferds, das auf zwei Mahlzeiten am Tag verteilt breiig verfüttert wird. (© C. Götz)
Es besteht aus Rübenpellets (250 g), Haferflocken (250 g), Luzernepellets (500 g), einem Eiweißzusatzfutter (50 g) und Leinsamen (20 g) sowie etwas Salz. Ich koche den Leinsamen auf, weiche die Rübenpellets darin ein und löse mit mehr Wasser den Rest zu einem Brei auf. So frisst sie es am liebsten und so unterstützt es auch ihre Verdauung ideal, die jetzt im Alter etwas zu Kotwasser neigt.
Ein weiteres Beispiel ist mein erstes Pferd, das im Laufe der Jahre von mehr Kraftfutter über eine zusätzliche Weidestunde auf einer Koppel neben dem Paddock bis hin zu zwei (über die Jahre immer größer werdenden) Zusatzportionen breiig verfütterter Heucobs mit Rübenschnitzeln gut zurechtkam. Bei ihm war es schwierig, mehr gut verstoffwechselbare Energie in ihn zu bekommen, da er eingeweichte Heucobs pur gar nicht mochte. Er hat bis zu seinem Tod im 30. Lebensjahr neben Gras am liebsten Heu und Stroh gefressen. Von ihm habe ich gelernt, dass ein möglichst feiner zweiter Schnitt, der entsprechend mehr Eiweiß enthält, helfen kann.
Für einen fast 30-jährigen Wallach aus meinem Kundenkreis wurde die Fütterung im Laufe der Jahre dahingehend optimiert, ihn während seiner wiederkehrenden Krankheitsschübe (durch die er sonst stark abbaute) für die Hauptmahlzeiten an Raufutter zweimal am Tag zu separieren. So wurde sichergestellt, dass er im Offenstall genug abbekam. (Lösen lässt sich dies übrigens leicht über One-Way-Türen.)
Du siehst, es gibt also mehr Möglichkeiten, als Seniorenmüsli zu kaufen und Heucobs aufzulösen. Es kann etwas dauern, bis man für sein Pferd das Optimum gefunden hat und leider kann es auch sein, dass man es im Lauf der Jahre immer wieder anpassen muss.
Mehr zum Thema Geriatrie findest hier auf meinem Blog unter dem gleichnamigen Schlagwort. Weitere Mash-Rezepte, unter anderem eines für Rentner, findest du hier.
