Ein Traum

Immer wieder hört man, erwachsene Pferde würden sich zum Schlafen nicht hinlegen oder nur Fohlen schliefen in der Seitenlage. Beides ist falsch. Zwar hat man das Schlafverhalten beim Pferd mit Sicherheit noch nicht völlig erforscht, doch auch der aktuelle Wissensstand ist spannend.

Pferden können auf drei verschiedene Arten ausruhen: Dösen, Schlummern und Tiefschlaf. Alle drei Varianten können im Stehen stattfinden. Unterschiedliche Studien zeigten, dass die Fütterungszeiten, die Haltung sowie die Nutzung des Pferdes einen Tagesrhythmus vorgeben, an den es seine Ruhezeiten anpasst – besonders das Schlummern und den Tiefschlaf. All dies wird außerdem stark vom Sicherheitsbedürfnis des Fluchttieres Pferdes und von der Rangfolge beeinflusst. Doch nicht auch Alter, Geschlecht, Gewicht, Wetter sowie vermeintliche und reale Bedrohungen beeinflussen das Schlaf- und Ruheverhalten der Pferde, und so gibt es individuell große Unterschiede.

In der Seitenlage ist die Wahrscheinlichkeit für eine REM-Phase, also auch das Träumen, größer. (© C. Vidal)

In der Seitenlage ist die Wahrscheinlichkeit für eine REM-Phase, also auch das Träumen, größer. (© C. Vidal)

Tatsächlich ist es so, dass nicht alle Pferde sich in die Seitenlage begeben und die, die es machen, tun es auch nicht täglich. Die Seitenlage ist meist kurz, was auch körperliche Gründe hat. Denn das große Gewicht des Pferdes drückt am dann meisten auf die Lungen. Deswegen ändert sich hier auch die Atmung: So wird beim Ausatmen in Seitenlage die Luft quasi einen Moment angehalten, indem der Kehlkopf sich einige Sekunden verschließt.

Bislang hat man den Schlaf von Pferden vor allem beobachtet. Mit Hilfe von physiologischen Messungen – wie der Polysomnographie – konnte man nachweisen, dass es wenig Übereinstimmungen zwischen den äußerlich erkennbaren Ruhezeiten und den elektrophysiologisch nachweisbaren Gehirn- und Muskelaktivitäten gibt.

Nur im Tiefschlafmodus können auch beim Pferd so genannte REM-Phasen vorkommen. Beim Menschen ist es so, dass der REM-Schlaf etwa ein Viertel des Schlafes ausmacht. Am Ende der Nacht nimmt diese Form zu. In ihr haben wir die meisten Träume.

Ein dem Menschen ähnlicher REM-Schlaf ist Pferden nicht nur in entspannter Seitenlage möglich, sondern auch in der Brustlage. Die Messungen einiger Studien ergaben, dass REM-Schlaf bei Pferden sogar im Stehen auftreten kann. Allerdings ist ein Pferd, anders als wir, auch aus dem für ihn typischen REM-Schlaf leicht zu wecken, um schnell auf Gefahrensituationen reagieren zu können.