… es schmeckt ihm nicht

Neulich bekam ich eine Diskussion mit, welches Stroh Pferde am liebsten mögen. Wie sich herausstellte war der Hintergrund, dass die Pferde der Fragestellerin das angeschaffte Stroh nicht fraßen. Nach ein paar weiteren Nachfragen und einem Foto von den Pferden war klar, dass das eigentliche Problem nicht Hafer-, Weizen- oder Gerstenstroh war, sondern …

… fachlich den Namen Mastkondition trägt.

Mastkondition beschreibt den Ernährungs- und Körperzustand eines Nutz- oder Wildtieres, der durch starke Fetteinlagerungen gekennzeichnet ist. Das Tier hat reichlich subkutanes Fett (Rippen schwierig oder nicht tastbar) und weitere deutliche Fetteinlagerungen.

Werden Pferde zur Mastkondition aufgefüttert – haben also deutliches Übergewicht oder sind adipös – dann fressen sie oft nicht mehr alles, sondern fangen an zu selektieren. Das tun sie vor allem dann, wenn immer zu viel Nahrung da ist, sie also weiter gemästet werden. Üblicherweise entsteht eine Mastkondition bei Heu oder Wiese ad libitum, vor allem bei Pferdetypen aus ursprünglich kargen Regionen (Nordpferde, Ponys, Araber), deren Genetik mit dafür sorgt, dass sie kaum aufhören zu fressen.

Ich stelle immer wieder fest: Wenn Pferde irgendetwas stehen lassen, dann sind sie meist bis zum Anschlag voll, brauchen es also nicht, und reagieren dann wie wir vor einem Buffet mit gesunden Sachen und Leckereien. So werden beispielsweise auch aus einem Übermaß an portioniertem Heu nur noch die Halme gefressen, die am besten schmecken. (Spoiler: Es sind in der Regel die Gräser oder Grasanteile mit dem meisten Zucker.)

Gutes Stroh hat einen gleichmäßigen, goldgelben Glanz. Verliert es den und ist stumpf, grau oder bräunlich (wie dieses hier) ist es weder als Einstreu noch als Futterstroh geeignet. (© C. Götz)

Das gleiche gilt auch oft, wenn übergewichtige Pferde Stroh von guter Qualität, egal welcher Sorte, einfach links liegen lassen. Dann kannst du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es ihnen zwar guttun würde, sie es aber nur dann fressen, wenn man die „Schokolade“ rationiert.

Stroh ist ein fantastisches Mittel, um Pferden Fresspausen zu verkürzen, ihr Bedürfnis nach Rohfaser zu befriedigen und gleichzeitig deutlich weniger Kalorien zu füttern. Die Fresspausen verkürzt das Stroh übrigens auch deshalb, weil die Pferde länger daran kauen.

Hier liest du mehr über die Vorteile von Stroh in der Pferdefütterung.