Boxenlaufen lautet der Fachbegriff, wenn Pferde in ihrer Box herumtigern. Zumeist wird Stallmut – also zu wenig (freie) Bewegung und Arbeit – dahinter vermutet. Doch das ist meiner Erfahrung nach letztlich zu kurz gedacht, denn die Gründe dafür können vielfältig und multifaktoriell sein.
Boxenläufer wandern im Kreis oder in der Paddockbox hin und her. Anzeichen für nächtliches Boxenlaufen gehen von unter die Einstreu getretenem Heu bis zum freigelegten Betonboden. Webende Pferde hingegen pendeln an Ort und Stelle hin und her – treten ein oder mehrere Schritte nach links und dann wieder nach rechts – etwa an der zur Stallgasse liegenden Boxenseite. Beides – Boxenlaufen (auch Boxenkreiseln oder Boxenwandern genannt) und Weben – gilt als Verhaltensstörung.
Während das Pferd mit dem Weben zumeist einen aktuellen Erregungszustand abbaut (die bevorstehende Fütterung, den fehlenden Boxennachbarn) tritt das Boxenwandern häufig auf, wenn die (anderen) Pferde zur Ruhe kommen. Aus diesem Blickwinkel kommen dann auch andere Ursachen in Frage als der vielzitierte Stallmut.
Vom Menschen weiß man, dass innere Unruhe verschiedene körperliche und psychische Ursachen haben kann. Dazu zählen hormonelle und stoffwechselbedingte (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Östrogenabfall in den Wechseljahren oder Nährstoffmangel), psychische Faktoren (z. B. chronischer Stress, Depressionen), Faktoren des Lebenstils (z. B. Alkohol, Schlafmangel) ebenso wie weitere körperliche Ursachen (z. B. Herzprobleme, neurologische Erkrankungen).
Bei Pferden findet man ebenfalls viele dieser Faktoren sowie einige andere. Und es lohnt sich durchaus, dem Problem des Boxenlaufens auf den Grund zu gehen: Denn wenn man nur davon ausgeht, dass die Symptomatik durch eine Veränderung der Haltung (z. B. Offenstall) oder der Trainingsbedingungen (z. B. Auslastung ohne Stress oder Überlastung) gelöst werden kann, dann übersieht man im Zweifelsfall gesundheitliche Probleme.
Welche dies im Detail sein können und wie du sie erkennst liest du im nächsten Beitrag.

