Weil ich den Satz – aber du hast ja ein braves Pferd – neulich mal wieder in einem Gespräch mitbekommen habe (wo jemand mit einem nicht-braven Pferd den Spruch jemandem mit einem braven Pferd presste), hier mal eine kleine Anekdote zu dem Thema. Erst einmal aber kurz zu der Reaktion desjenigen mit dem „braven“ Pferd …
Ich musste herzlich lachen, als ich hörte, dass dieses Pferd alles andere als „brav“ sei. Zwar grundsätzlich mutig und aufgeschlossen, dabei aber durchaus temperamentvoll, mit viel eigener Meinung. Der gute Eindruck sei also durchaus Erziehung und Training geschuldet.
Ich kenne das, ich hatte selber ein Pferd, das sogar im Dressur-Protokoll „brav“ stehen hatte. Und das war nicht durchweg positiv gemeint. Was war passiert?
A-Dressur, zu zweit geritten, nach der Hälfte der Prüfung steigt das andere Tier aus. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Nach ein bisschen blockieren, querstellen und Kopfschleudern stand er mehrfach auch mal auf zwei Beinen. Und weil er das auf der Ganze-Bahn-Wechsellinie tat, bin ich halt drumherum geritten.

Mein zu dem Zeitpunkt schon braves Pferd zwölfjährig auf der Weide. Weiß der Geier, was er da gesehen hat. (© C. Götz)
Falls sich jemand fragt, warum ich weitergeritten bin: Es wurde weiter die Aufgabe vorgelesen (zwar fehlerhaft, weil die Vorleserin auch den Steiger anschauen musste), es wurde nicht abgeklingelt und es gab auch sonst keine Anweisung richterlicherseits. Mein damals acht Jahre altes Pferd völlig unbeeindruckt und weiter an den Hilfen.
War der jetzt brav? Klar! War der schon immer so? Nein! Der konnte sich fünfjährig super aus dem Stand in die Luft katapultieren und dabei ausschlagen (aka Kapriole), wenn ihm etwas nicht passte. Der konnte beim Ausreiten schnappschildkrötenartig die Bremse reinhauen, buckelnd horizontal seitlich ausschlagen oder sich auf der Hinterhand herumwerfen, wenn man die Zeichen nicht rechtzeitig (also im Millisekundenbereich) erkannte.
Das war aber damals trotzdem kein nicht-braves Pferd. Aber er war ängstlich, mit wenig Selbstvertrauen sowie einer gewissen Portion Starrsinn ausgestattet und kurzfristig pubertär größenwahnsinnig übersteuert. Der spätere gute Eindruck entstand dann durch – Achtung! – Erziehung und Training.
Noch ein paar Tipps für die Mission braves Pferd habe ich hier bereits geschrieben.
