Schritt kommt von schreiten

Wichtigstes Kriterium für die Qualität des Schrittes ist der klare Viertakt – viele hören ihn besser, als dass sie ihn sehen, vor allem auf Asphalt. Zudem sollte der Schritt fleißig sein und in Raumgriff und Übertritt dem jeweiligen Gangmaß (Mittelschritt, versammelter und starker Schritt) entsprechen. Die Bewegung …

… muss durch den losgelassenen Rücken fließen, das Pferd also schreiten.

Schauen wir uns zuerst die Unterscheidung zwischen Raumgriff und Übertritt an – über beides sollte ein guter Schritt verfügen, letztlich geht das eine ohne das andere auch nicht wirklich:

  • Raumgriff bezeichnet einerseits das Ausgreifen der Vorhand nach vorne. Dies wird grundsätzlich durch die Schulterfreiheit bestimmt (die Winkelung zwischen Schulterblatt und Oberarm). Der Raumgriff ist im starken Schritt am größten, im versammelten Schritt am geringsten.
  • Auch die Hinterhand zeigt unterschiedlich großen Raumgriff, zumeist wird das Untertreten genannt. Übertritt benennt, wie weit der Hinterhuf über den Abdruck des gleichseitigen Vorderhufs tritt.
  • Man kann einen guten Raumgriff haben, und gleichzeitig fehlt es an Übertritt. Man kann einen guten Übertritt haben und der Raumgriff ist mäßig.

Ob das Pferd mit der Hinterhand mehrere Hufbreiten übertritt oder ob es „nur“ in die Spur des Vorderbeins fußt, hat natürlich damit zu tun, ob es eher kurz oder lang im Rücken ist. Auch die beteiligte Muskulatur spielt eine Rolle, denn die Muskeln des Rückens und der Hinterhand müssen beim Vorschwingen nachgeben. Sind sie an den gefragten Stellen fester, verkürzt das das Schrittmaß. Nur im Idealfall (wenn das Pferd also nicht auf der Vorhand ist und über den Rücken geht) ergibt ein stärkeres Ausschreiten, also mehr Raumgriff, auch größere Schritte der Hinterhand und damit mehr Übertritt. Letztlich hängen sowohl Raumgriff als auch Übertritt davon ab, wie funktional die Muskulatur an Vor-, Hinterhand und Rücken ist. Und auch das jeweilige Tempo kann den Schritt fördern oder stören.

Stangen im Hintergrund können helfen, den Raumgriff und Übertritt besser zu beurteilen. (© C. Götz)

Wer sich einmal die Mühe macht, im Gelände auf feuchtem, aber rutschfestem Boden oder in der frisch abgezogenen Halle (eine Spur auf dem zweiten Hufschlag von 15–20 Metern zu rechen reicht) sein Pferd zu führen, der kann den Übertritt gut erkennen. Lässt man sich das Pferd vorführen, sieht man aus einiger Entfernung auch besser den Raumgriff. Filmt man das Ganze kann man später in Zeitlupe sein Auge noch besser schulen. Führt oder reitet man in unterschiedlichen Tempi und ein unaufgewärmtes, aufgewärmtes und losgelassenes Pferd, gewinnt man weitere Erkenntnisse. Dabei sollte man den Takt immer im Blick behalten und ob das Pferd durch den Körper schreitet, also über den Rücken geht. So kann man das eigene Pferd noch besser in seinem idealen Schritttempo aufwärmen, zur Losgelassenheit bringen und fördern.

Mehr über die unterschätzte Gangart Schritt liest du in diesem Beitrag und in diesem Artikel gebe ich Tipps, wie man den Schritt noch effektiver nutzt.