Mutkekse, diesen schönen Begriff habe ich neulich gehört. Er beschreibt sehr gut, was man damit beim Pferd erreichen kann. Nicht bei allen und nicht in allen Situationen – aber wenn die Mutkekse richtig eingesetzt werden, sind sie unbezahlbar. Ich habe sie zum Beispiel bei mehreren Pferden erfolgreich …
… zur Gewöhnung an Straßenverkehr genutzt.
Erfahrene Pferdemenschen wissen seit vielen Generationen, dass Kauen Stress abbaut und dass ein entspannt kauendes Pferd nicht gleichzeitig Stress, Furcht oder Angst empfinden kann.

Ein Keks, während der Lkw sich nähert, kann dem Pferd helfen, die Situation besser zu bewältigen. (© pferdemosmos.de)
Dies kann man sich zunutze machen, um Situationen, die für das Pferd (noch) mit Stress verbunden ist, die es also noch nicht völlig entspannt meistern kann, zu bewältigen. So hilft man ihm besser zu lernen, damit umzugehen.
Am Beispiel der Verkehrssicherheit beschreibe ich mal, wie ich vorgehe: Ich gehe anfangs mit allen Pferden spazieren, um sie und ihr Verhalten im Gelände besser kennenzulernen. Hier ist das mit dem Leckerchen natürlich besonders leicht.
Höre ich ein Auto sich nähern, gehe ich an den Straßenrand oder in eine Wegeinmündung, lasse das Pferd stehen und schiebe einen Keks rein. Das Pferd wird also fürs Stehenbleiben belohnt. Ist es brav stehengeblieben, während das Fahrzeug vorbeifuhr, gibt es dafür wieder ein Lob und einen Keks. Sie sind alle bisher schön verkehrssicher geworden.
Entscheidend ist das richtige Timing: Man muss aufpassen, dass man nicht versehentlich etwas „Falsches“ belohnt. Deshalb ist es zum Beispiel nicht zielführend, das Pferd mit Keksen zu versorgen, wenn ich mich einer Kuhweide nähere und es bereits nicht mehr entspannt ist. Der Keks sollte rein, bevor sein Nervensystem in Alarm gerät.
Man könnte die Mutkekse auch Ablenkungskekse oder Erwartungshaltungmodifizierungskekse nennen. Je nachdem, in welchem Moment man sie einsetzt, um ein bestimmtes Verhalten zu verändern. Mir persönlich ist dabei wichtig, dass ich nicht vom Pferd zur Futterspendemaschine umfunktioniert werde. Das Futterlob wird also von mir zügig (zumindest teilweise) durch Stimmlob ersetzt.
Manchmal muss man auch bei der Materialwahl der Mutkekse modifizieren. Es kann sein, dass anfangs etwas größere Karottenstücke oder etwas anderes, an dem das Pferd länger kaut, sinnvoll sind. Mit Gebiss oder vom Sattel aus gegeben, muss man die Wahl eventuell neu überdenken. Wie immer ist das Pferd der Maßstab, ob und wie ihm die Maßnahme hilft.
Auch wenn viele Ausbilder den Einsatz von Futter kategorisch ablehnen – das Prinzip ist sehr alt, wie du in diesem Beitrag über einen 200 Jahre alten Tipp zum Einsatz von „Naschwerk“ nachlesen kannst.
