Selber behandeln

Was vereint Ärzte und Veterinäre, (Tier-)Heilpraktiker und andere Therapeuten? Die Antwort auf die Frage, ob man seine Angehörigen beziehungsweise die eigenen Tiere behandeln kann. Diese lautet: ja, nein, manchmal. Warum das so ist, was dahintersteckt und was man meiner Erfahrung nach daraus lernen kann …

Vorweg: Es gibt praktisch keine Studien, aber sehr viel gelebte und tradierte Ansichten zu diesem Thema. Aus schulmedizinischer Sicht zeigt die Praxis, dass Ärzte häufig gebeten werden, Verwandte oder Freunde medizinisch zu versorgen und dies auch tun. In der medizinischen Literatur allerdings dominieren kritische Ansätze zu diesem Thema. Ethische Richtlinien raten Ärzten oft davon ab, Familienmitglieder und Freunde außerhalb außergewöhnlicher Umstände zu behandeln.

(© C. Götz)

Eine wissenschaftliche Übersicht zeigte, dass die Diskussion über Ärzte, die Angehörige behandeln, vorwiegend im Kontext persönlicher Erfahrungen geführt wird. Es werden Gründe für und gegen die Behandlung von Familienangehörigen und Freunden gefunden. Als kontraindiziert wird allem das Risiko genannt, die Objektivität zu verlieren.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass ich es nicht Objektivität nennen würde, die verloren geht, sondern Gelassenheit. Je stärker ich in das Schicksal involviert bin, je mehr mich die Krankheit stresst, umso schlechter ist die Idee, selber zu behandeln. Nur wenn ich meine eigenen Sorgen und Bedenken heraushalten kann, bzw. genau so (be)handeln kann, wie wenn ich das Tier gerade erst kennenlerne, helfe ich meinen eigenen Tieren selber.

Ich kenne Ärzte, die ihre Angehörigen selbst operieren, obwohl ihre Kollegen dies nicht gutheißen, persönlich. Ich kann diese Ärzte voll und ganz verstehen, denn sie wissen, dass sie es können und deshalb tun sie es. Genauso kann ich es aber nachvollziehen, wenn jemand sagt: „Da muss ein anderer ran.“

Nun ist es aber im Akutfall – egal ob Kolik oder Schnittwunde – so, dass man in der Regel ’ran muss: als ganz normaler Pferdebesitzer. Natürlich ist es legitim, jemand am Stall um Hilfe zu bitten, wenn man sich der Situation nicht gewachsen fühlt. Besser jemand hält, führt oder verlädt das Pferd, der gerade nicht in kompletter Panik ob dessen Gesundheit oder Zukunft ist.

Doch man kann sich nicht darauf verlassen, dass jemand da ist, der das für einen übernimmt. Und deshalb bin ich ein Fan davon, sich theoretisches und praktisches Wissen zu erarbeiten, vor allem was Erste Hilfe am Pferd betrifft. Ich habe damals direkt mit dem Erwerb des ersten Pferdes einen Wochenendlehrgang bei einem Tierarzt gebucht. Ich kann aber auch empfehlen, zu lernen, sich bei Stress selber zu regulieren – etwa mit Atemübungen oder mit individuellen Übungen aus der Neuroathletik. Das gilt natürlich auch für Therapeuten.

Mehr zum Thema Erste Hilfe fürs Pferd auf meinem Blog: PAT-Werte, Hufverband, Stallapotheke und Medical Training für Wurmkuren.