Was ist eigentlich … das Nervensystem

In letzter Zeit wird viel über das Nervensystem gesprochen und mit ihm gearbeitet, auch am Pferd*. Doch wie ist das Nervensystem eigentlich definiert, wo gleichen sich Mensch und Pferd, und was können wir daraus bereits lernen, sowie für die Arbeit am und mit dem Pferd mitnehmen?

Kurz gesagt: Das Nervensystem besteht aus Gehirn, Nerven und Rezeptoren. Gehirn (plus Rückenmark) werden als zentrales Nervensystem bezeichnet, die Nerven als peripheres Nervensystem. Die grundlegenden Bausteine sind Nervenzellen (Neuronen), die Signale über das gesamte Netzwerk leiten. Rezeptoren für diese Signale sitzen entweder auf der Zelloberfläche, in der Zelle oder an den Enden von Nervenfasern: in der Haut, den Organen, Muskeln, Sehnen, Gelenken und den Hufen, im Blutkreislauf und reagieren auf Licht, Druck, Chemikalien oder Temperatur.

Wenn heute vom Nervensystem die Rede ist – unserem eigenen oder dem des Pferdes – dann ist zumeist das autonome oder vegetative Nervensystem gemeint. Es steuert lebenserhaltende Funktionen wie die wir nicht bewusst kontrollieren, wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Blutdruck. Und es ist in der Regel ein überaktiviertes Nervensystem gemeint.

Das Nervensystem im Flight-Modus des Sympathicus: Das Gemälde mit dem Titel Durchgehendes Pferd von Gustave Courbet ist in der Münchener Neuen Pinakothek zu sehen. (© Wikipedia)

Dazu muss man wissen, dass das autonome Nervensystem aus Sympathicus und Parasymathicus besteht. Der Sympaticus aktiviert alle Vorgänge, sein Gegenspieler Parasympathicus beruhigt. Nicht nur bei uns, sondern auch beim Pferd ist der Parasympathicus also wichtig für die Stressregulation, zum Herunterkommen, für die Erholung und einen gesunden Schlaf.

Nun gibt es einen Bereich im autonomen Nervensystem, der eine Sonderstellung hat – die Atmung – denn sie lässt sich von uns bewusst kontrollieren und ist somit auch der Schlüssel zum autonomen Nervensystem. Sie steuert nämlich, wie wir uns fühlen: angespannt oder entspannt. Wer regelmäßig Atemübungen macht und auch am und mit dem Pferd nutzt, der wird sich bedeutend leichter tun, wenn sein eigenes Nervensystem oder das des Pferdes, dringend beruhigt werden müssen. Wer seine Atmung entsprechend wahrnehmen und bei Bedarf optimieren oder korrigieren kann, erleichtert sich selber und dem Pferd die Arbeit.

Mehr Beiträge zum Thema „Was ist eigentlich …“ liest du hier.

* Auch ich habe auf meinem Blog bereits einiges dazu veröffentlicht. In diesem Beitrag liest du, wie Pferde den Zustand unseres Nervensystems spiegeln und hier habe ich eines meiner Lieblings- Werkzeuge beschrieben, das das Nervensystem des Pferdes entspannt. Hier berichte ich über meinen ersten Neuro-Kurs, hier liest du ein Interview mit dem Neuro-Rider-Trainer Marc Nölke und auch in meiner Serie zur Reitergymnastik berichte ich über Neuro-Training.